Die Entwicklung und Bedeutung von Peer Reviews für akademische Publikationen

Wussten Sie, dass die Zahl der begutachteten Zeitschriften in den letzten drei Jahrhunderten jedes Jahr um 3,5% gestiegen ist?1 Tatsächlich gilt ein strenger Peer-Review-Prozess als Indikator für die Qualität einer Zeitschrift, und die meisten Zeitschriften verlassen sich auf Peer-Reviews, um sicherzustellen, dass nur die besten Forschungen und Studien publiziert werden. Dies hat oft hohe Ablehnungsraten zur Folge, z.B. bei vielen Wiley-Zeitschriften bis zu 90%.2

 Peer Review gilt als tragende Säule für die Glaubwürdigkeit und Integrität wissenschaftlicher Aufzeichnungen. In seiner herkömmlichen Form gibt es auch Kritik an Peer Reviews in Bezug auf mangelnde Transparenz und Unstimmigkeiten bei den Ergebnissen. Um diese Probleme anzugehen, wurden mehrere Innovationen im Peer Review eingeführt (neue Modelle, Anerkennung der Rezensenten und mehr). Dieser Artikel befasst sich mit der Entwicklung des Peer Reviews und wie Branchenexperten die Zukunft von Peer Reviews sehen.

Herausforderungen im Zusammenhang mit Peer Reviews

Trotz vieler Vorzüge haben Peer Reviews auch Einschränkungen, die das wissenschaftliche Publikationssystem zu schwächen drohen:

  • Mangelnde Transparenz: Anonymität bildet die Grundlage für traditionelle Single-Blind oder Double-Blind Peer Reviews. Dieser Mangel an Transparenz kann das System anfällig für Manipulationen machen, wie sie in jüngster Zeit bei gefälschten Peer Reviews und Massenrücknahmen3 beobachtet wurden. Mangelnde Transparenz kann zu einem nachhaltigen Vertrauensverlust in den Prozess des Reer Reviews führen.
  • Mangelnde Anerkennung: Peer Reviews werden auf freiwiliiger Basis erstellt. Die Rezensenten erhalten in der Regel weder eine Anerkennung noch einen finanziellen Ausgleich für ihren Zeit- und Arbeitsaufwand bei der Bewertung von Forschungsarbeiten. Daher ist es für Zeitschriftenredakteure nicht immer einfach, geeignete Gutachter zu finden und zu benennen.
  • Fehlende Schulung und Standardisierung: Der Peer-Review-Prozess variiert von Zeitschrift zu Zeitschrift, da es keine Standardisierung gibt. Darüber hinaus führt das Fehlen einer systematischen Schulung für Gutachter oder eines einheitlichen Einarbeitungs-Prozesses zu Unstimmigkeiten bei der Einschätzung von Gutachtern.

Wie sich Peer Review als Reaktion auf Herausforderungen entwickelt hat

Um einige dieser Einschränkungen zu überwinden, und als Reaktion auf globale Bewegungen im Verlagswesen (z.B. die Open-Science-Bewegung) sind verschiedene neue Modelle des Peer Review entstanden, z.B.

  • sogenannte Open Peer Reviews (bei denen die Identität der Gutachter Redakteure, Autoren und Leser offengelegt werden)
  • kollaborative Peer Reviews (bei denen Gutachter und Autoren interagieren und empfohlene Änderungen am Manuskript diskutieren können)
  • Peer Reviews nach einer Veröffentlichung (in denen Leser Feedback und Kommentare zu einem Beitrag abgeben können, nachdem er veröffentlicht wurde)
  • übertragbare bzw. stufenweise Peer Reviews (hier wird ein abgelehntes Manuskript zusammen mit den ursprünglichen Peer Review-Berichten an eine andere Zeitschrift, in der Regel innerhalb des Verlags, zur weiteren Bearbeitung übertragen).

Jedes dieser Modelle beabsichtigt, mehr Transparenz und Effizienz in den Peer-Review-Prozess zu bringen. Parallel dazu werden Anstrengungen zur Anerkennung und Entlohnung von Peer Reviewern unternommen. Um dem Mangel an formaler Ausbildung für neue Gutachter entgegenzuwirken, haben einige Verlage und Organisationen begonnen, Peer-Review-Trainings anzubieten, um angehende Reviewer zu schulen.

Wie sieht die Zukunft von Peer-Reviews aus?

Trotz der Herausforderungen glauben Branchenführer, dass Peer Reviews auch weiterhin eine entscheidende Rolle für wissenschaftliche Veröffentlichungen spielen werden. Die Technologie wird die Zukunft von Peer Reviews revolutionieren. „Wenn Sie sich den genauen Grund für Peer Reviews ansehen, dann geht es immer um die Prüfung und Sicherung der Qualität. Der Bedarf an Validierung ist aufgrund der zunehmenden Verbreitung veröffentlichter Forschung größer denn je“, sagt Deborah Wyatt, VP APAC Society Services bei Wiley.

 Sie fährt fort: “ Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz könnten auch im nächsten Jahrzehnt eine Rolle bei der Auswahl der Prüfer spielen, da Zeitschriftenredakteure und Verlage auf weitere Prozesseffizienz drängen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten“. Tatsächlich ergreifen einige Unternehmen Initiativen in diese Richtung, z.B. indem sie Peer Review mit Technologien wie Blockchain unterstützen.4

Um eines der Hauptprobleme des Peer Reviews anzugehen – das Fehlen einer Standardisierung – sagt Richard Donnelly, Professor für Medizin an der University of Nottingham und Chefredakteur von Diabetes, Obesity, and Metabolism: „Derzeit basieren die meisten Peer Reviews auf freien Textkommentaren und globalen Einschätzungen. Ich denke, dass die Entwicklung eines quantitativeren Bewertungssystems, das von den Gutachtern verwendet werden sollte, und die Rückmeldung der gebündelten Bewertungen an die Autoren hilfreich wäre.“

Zum Thema Vertrauensbildung durch Transparenz erklärt Chris Graf, Director, Research Integrity and Publication Ethics bei Wiley und Co-Chair von COPE: „Die Zukunft liegt darin, die Integrität des Publikationsprozesses durch Transparenz zu gewährleisten, ohne die Vertraulichkeit zu verletzen“.

 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Prozess des Peer Reviews das Rückgrat der wissenschaftlichen Publikation war und ist. Die gesamte akademische Gemeinschaft – darunter Gesundheitsexperten, Autoren, Verleger und Gutachter – begrüßt und freut sich auf Innovationen, die sich mit Fragen der Zuverlässigkeit, Transparenz und Standardisierung im Peer Review befassen.

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Quellenangaben

  1. Ware, M.; Mabe, M., 2015, An overview of scientific and scholarly journal publishing, 4th edition, International Association of Scientific, Technical and Medical Publishers, The Netherlands https://www.stm-assoc.org/2015_02_20_STM_Report_2015.pdf
  2. Wiley Corporate Solutions Blog, 2017, 8 Top tips to make sure your industry-sponsored research submission grabs a journal editor’s attention, https://corporatesolutions.wiley.com/8-top-tips-to-make-sure-your-industry-sponsored-research-submission-grabs-a-journal-editors-attention/
  3. Kulkarni, S., 2017, Springer announces mass retraction of 107 papers by Chinese authors, https://www.editage.com/insights/news/springer-announces-mass-retraction-of-107-papers-by-chinese-authors/1493198456
  4. Digital Science, 2017, Digital Science and Katalysis Lead Initiative to Explore Blockchain Technologies for Peer Review, https://www.digital-science.com/press-releases/digital-science-and-katalysis-lead-initiative-to-explore-blockchain-technologies-for-peer-review/

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